Es war trocken, warm und es stank. Trotz seiner Nase konnte Reuel den widerwärtig scharfen Geruch vernehmen, der sich in dem kleinen, düsteren Raum breit gemacht hatte und am liebsten wäre der Ravenclaw gleich wieder gegangen, aber seine Kehle war trocken und schmerzte und er wusste zudem überhaupt nicht wo er sich befand. Irgendwer würde ihm den Weg weisen müssen und zumindest solange musste er es in dem übelriechenden Pub aushalten, dessen Decke so tief lag, dass Reuel fast schon den Kopf einziehen musste, um nicht gegen einen der zahlreichen Balken zu laufen, die das obere Stockwerk trugen.
Vereinzelt brannten Kerzen, auf fleckigen Holztischen, an denen finstere Gestalten saßen, von schweren Mänteln bedeckt und von langen Kapuzen verdeckt. Neben dem Tresen, den der Hilfesuchende direkt ansteuerte, hing noch ein silberner Kronleuchter von der Decke, dessen Kerzen merkwürdigerweise grünlich brannten. Ein buckeliger, bärtiger Mann, der über den vollgestellten Tresen gebeugt da stand, sah ihm finster entgegen und Reuel zuckte kurzzeitig zusammen, ließ sich jedoch nicht verschrecken und ging weiter auf den Mann zu.
"Verzeihung", sprach er ihn an, "wie heißt dieser Pub hier?"
Der Buckelige lachte nur kurz auf und entblößte dabei eine lückenhafte Reihe gelber Zähne.
"Fat Maggot heißt dieser Pub, Jungchen, und es ist mein Pub. Was darfs sein?", erwiderte er schließlich und durchbohrte den Ravenclaw förmlich mit seinen Augen.
"Ehm ... ein heißes Getränk und eine Information. Bitte."
"Soso", brummte der Wirt daraufhin und donnerte eine Flasche vor Reuel auf die Holzfläche, aus derem Inneren, kaum, dass der Buckelige sie entkorkt hatte, Dampf aufstieg.
Fasziniert betrachtete der Siebzehnjährige das Getränk und entzifferte schließlich das vergilbte Etikett. Drachenodem. Der Wirt fing seinen erstaunten Blick auf und lachte abermals.
"Was heißeres gibt es nicht, also nicht zu gierig ... wenn es deinen Bauch zerreißt will ich nicht Schuld daran sein."
Reuel nickte nur, schnupperte kurz über der Flasche und setzte sie dann an seine Lippen. Zaghaft nahm er einen kleinen Schluck. Keinen Wimpernschlag später brannte sein Rachen wie die Hölle selbst und Reuel keuchte und rang nach Luft. Auf der anderen Seite der Theke erklang nur ein donnerndes Lachen, dass bei Reuel allerdings kaum Beachtung fand, er war viel zu sehr damit beschäftigt seinen Verstand beisammen zu halten und nicht einfach schreiend aus dem Pub zu rennen.
Schließlich erbarmte sich dann der Wirt und schob ihm ein Glas Milch zu, das Reuel sogleich in seinen Rachen stürzte. Der Schmerz schwand langsam und es brauchte ein paar Minuten, bis er halbwegs erträglich geworden war. Mittlerweile perlte Schweiß auf der Stirn des experimentierfreudigen Ravenclaws und er wischte ihn mit seinem Jackenärmel ab.
"Also gut", murmelte er kurz darauf und noch etwas benebelt, "kommen wir nun zu der Information die ich brauche ..."